Ein Blick zurück

Das neue Jahr ist bereits ein paar Wochen alt, die Festtage sind vorbei und man gewöhnt sich langsam an die neue Jahreszahl. Dennoch lohnt sich ein Blick zurück. Auf ein Jahr, das ebenso facettenreich wie herausfordernd und interessant war. Wir haben die Brauerei in vielerlei Hinsicht weiter gebracht und konnten gleichzeitig an unseren Aufgaben wachsen. All diese Erfahrungen helfen uns unseren Horizont zu erweitern und noch wichtiger: Immer neue Bierspezialitäten zu kreieren. An dem wollen wir festhalten und auch dieses Jahr einzigartige Genusserlebnisse schaffen. Bevor wir weiter unsere Sicht nach vorne richten, blicken wir gemeinsam zurück und lassen das Jahr 2021 Revue passieren. Viel Vergnügen bei der Lektüre!





Teamwork makes the dream work

"Toll, ein anderer macht's!" heisst es doch, meist lustig gemeint, wenn man jemanden um die Bedeutung des Wortes "Team" fragt. Man kann diesen Satz aber auch anders interpretieren. Nämlich so, dass es wirklich toll ist, wenn es ein anderer macht. Denn die Basis eines erfolgreichen Teams ist die Aufteilung der Aufgaben und Kompetenzen. Optimal ist es, wenn sich einerseits die Interessen, Fähigkeiten und Ideen ergänzen und man sich dennoch in gutem Gewissen einigen kann und einen Konsens findet. Erfreulicherweise ist es bei uns so, dass dabei noch sehr gute Biere rauskommen, mit denen man wiederum auf das gemeinsam Erreichte anstossen kann. So schliesst sich der Kreis :)


Wir haben das Jahr nicht zu dritt, sondern zu viert starten dürfen. Seit Anfang Jahr können wir auf die Dienste und das Wissen von Thomas Haas zählen. Er hat sein berufliches Leben schon früh dem erfrischenden Gerstensaft gewidmet und eine Lehre als Lebensmitteltechnologe mit Schwerpunkt Brauer absolviert. Danach zog es ihn für zwei Jahre nach München, wo er vollends in die deutsche Bierkultur eintauchte und sein Fachwissen auf akademischer Ebene massgeblich erweiterte. Mit dem begehrten Titel des Brau- und Malzmeisters im Gepäck kehrte er wieder in die Schweiz zurück, wo er bei diversen namhaften Betrieben seine Expertise einbringen konnte. Mit ihm an Bord ist nicht nur das Team gewachsen, sondern auch die Qualität unserer Biere. Seine Ideen und sein Fachwissen ermöglichten es, die Brauerei markant zu professionalisieren und qualitativ in neue Sphären zu hieven. Welche seiner Bierideen er bereits umsetzen konnte, siehst du später in diesem Blogeintrag.


Gemeinsam mit Thomas schreiben wir am nächsten Kapitel der Brauereigeschichte. Das Jahr war stark von der Verwirklichung unseres Traums geprägt und Thomas bringt einen Rucksack voller Erfahrung in Sachen Brauereiplanung mit. So sind wir einige Schritte voran gekommen und konnten uns sogar schon einen Grossteil der Finanzierung unseres Projektes sichern. Zudem haben wir eine Top-Brauanlage in Aussicht, die genau unseren Anforderungen entspricht. Das einzig noch fehlende Puzzleteil ist die dafür notwendige Liegenschaft. Wir sind laufend auf der Suche, gehen Objekte besichtigen und führen viele Verhandlungsgespräche - bis jetzt leider ohne nennenswerten Erfolg. Aber wir geben natürlich nicht auf und bleiben maximal zuversichtlich. Denn irgendwo da draussen befindet sich eine schöne Halle, die nur darauf wartet, eine noch schönere Brauerei zu beheimaten.


Apropos Heimat

Wie bereits angetönt, waren wir das ganze Jahr fleissig und haben in unserer Heimat, dem Milchhüsli in Hofstetten, viele neue Biere kreiert. Anfang Jahres wurde wie in den Vorjahren das Schwarze Juwel gebraut. Für diejenigen, die es nicht kennen: Ein wunderbar vollmundiges belgisches Starkbier, das optisch durch die tiefschwarze Farbe und sensorisch durch eine angenehme Süsse und ausgeprägte Röstaromen auffällt. Darunter mischen sich fruchtige Aromen wie Dörrobst und Süssholz. Alles in allem, ein einzigartiges Bier, das unter Kenner:innen äusserst begehrt ist. Da es auf 600 Flaschen pro Jahr limitiert ist, empfehlen wir jedes Jahr eine Vorbestellung. Wir haben aber auch neue Wege beschritten: Mit dem Choco-Vanilla Porter haben wir unser erstes Dessertbier gebraut. Die portertypischen süsslichen und röstigen Aromen haben wir mit Schokolade und Vanille nochmals kräftig unterstrichen und so ein intensives Spezialbier produziert. Auch dieses Bier fand grossen Anklang und so sahen wir uns nach kurzer Zeit fast gezwungen, einen zweiten Sud aufzusetzen. Es war natürlich gar kein Zwang dabei, denn wir waren selbst dermassen vom Geschmack überzeugt, dass wir den Braugang mit Freude wiederholten.



Genug jetzt von den dunklen Bieren. Wir haben letztes Jahr natürlich auch wundervolle helle Bierspezialitäten rausgebracht. Das Hazy Galaxy New England IPA hat es wieder für kurze Zeit ins Sortiment geschafft und wurde dann vom Cherry Wheat Ale abgelöst. Beide Biere sind der fruchtigen, obergärigen Ecke zuzuschreiben, wobei sich das Erstere durch eine dezente Bittere und das Letztere durch eine angenehme Fruchtsäure unterscheidet.


Auf der Seite der untergärigen Biere haben wir dieses Jahr drei verschiedene Sorten hergestellt. Angefangen mit dem Hoppy Lager 2.0, dann ging es weiter mit einem Versuch eines Rauchbiers bis hin zu einem sogenannt mitteldeutschen Pils namens Summerpause. Das Hoppy Lager haben wir nochmals schwächer eingebraut, sodass es an heissen Sommertagen den Durst noch besser löschen konnte. Durch die Kalthopfung ergab sich ein leichtes sehr frisches Bier, das mit den besonderen Aromen des Vic Secret Hopfens Pinie und Passionsfrucht versehen wurde. Aber wir versuchten uns auch an traditionellen deutschen Bierstilen, wobei man sagen muss, dass wir uns bei der Rezeptur eher zurückhaltend gezeigt haben. Denn wir wollten mit dem Rauchbier und dem Pils unsere Kundschaft nicht abschrecken, sondern diese in der Schweiz eher unbekannten Bierstile unters Volk bringen. So haben wir das Rauchbier nicht ganz so rauchig und das Pils nicht allzu herb gebraut. Rausgekommen sind zwei geschmackvolle und dennoch süffige Biere, die manch eine:n überzeugen konnte.


Dieses untergärige Intermezzo wurde im Herbst durch den Braugang unseres Pfeffer Wits beendet. Wir zielten darauf ab, die Würzigkeit und Frische eines klassischen belgischen Wit Biers geschmacklich zu untermalen, indem wir beim Brauen zwei verschiedene Pfeffer beifügten (wobei einer davon per se kein Pfeffer ist). Wir wählten dazu einen Rosa Pfeffer für die Würze und einen Timut Pfeffer für eine leichte Fruchtigkeit und für ein ganz spezielles Mundgefühl. Der Timut Pfeffer hat nämlich die Eigenschaft, beim zerkauen den Mundbereich ganz sanft zu betäuben. Dieses Gefühl blieb glücklicherweise beim Trinkgenuss spürbar - ein Genussmoment der besonderen Art. Es hat fast schon Tradition, dass wir gegen das Jahresende ein Weihnachtsbier brauen. Dies jedoch immer mit einer leicht angepassten Rezeptur. Vergangenes Jahr haben wir uns für ein Weihnachtsbier mit Ingwer und Dattelsirup entschieden, welches mit den üblichen Weihnachtsgewürzen und Honig verfeinert wurde.


Wir haben uns anfangs 2021 fest vorgenommen, mehr zu experimentieren und unserer Kundschaft das breite Spektrum der Biervielfallt näher zu bringen. Wir finden, dass uns dies auf der ganzen Ebene gut gelungen ist. Kein Grund sich auszuruhen - wir tüfteln bereits an den diesjährigen Bierkreationen. Man darf gespannt sein.


Schnaps aus Bier, das rat ich dir

Nach unserem ersten erfolgreichen Versuch Spirituosen auf Bierbasis herzustellen sind wir auf den Geschmack gekommen und haben uns auf diesem Gebiet weiterentwickelt. Thomas, der sich bei der Destillerie Zeltner in Dornach etabliert hat, war bei der Entwicklung unserer Ideen federführend. Neben dem zweiten Batch unseres Amiginzia Dry Gins haben wir zwei verschiedene Bierdestillate kreiert und sie in unterschiedliche Eichenfässer gelegt. Zum einen haben wir das Destillat unseres Brunettes in einem Sherryfass ruhen lassen und zum anderen das Destillat aus unserem Pale Ale im Portweinfass veredelt. Entstanden sind zwei Spirituosen, die zu überzeugen wissen. Die Süsse aus dem Malzkörper kommt klar zum Vorschein wobei sie von den jeweiligen Eichenfassaromen begleitet wird. Alles zu unseren seltenen Bierdestillaten findest du im letzten Blogeintrag. Auch hier ist klar: Das wird nicht unser letztes Experiment gewesen sein. Denn wie gesagt, wir sind definitiv auf den Geschmack gekommen.


Bierevents Rampenverkäufe und der wahrscheinlich längste Herbst der Geschichte

Das viele Brauen im vergangenen Jahr hatte den positiven Nebeneffekt, dass wir öfters im Milchhüsli anzutreffen waren. Die daraus entstandenen Rampenverkäufe waren stets ein voller Erfolg und wurden in der Region durch unsere Aktion "Bring your own Biergfäss" noch ein bisschen bekannter. Demnach konnten Besucher:innen ein Gefäss ihrer Wahl vorbeibringen und mit dem jeweils offen ausgeschenkten Bier befüllen lassen. Es bereitete uns eine grosse Freude, immer viele Menschen bei uns willkommen zu heissen.


In Anbetracht dessen, dass auch im letzten Jahr die Bierevents spärlich ausgefallen sind, war jeder Rampenverkauf eine Wohltat und bereicherte unser Schaffen im Milchhüsli. Denn abseits unserer Braustätte waren die Events um das Bier selten. Ein paar wenige Highlights gibt es dennoch zu erwähnen. Auf virtuellem Wege konnten wir dank Online-Degustationen unser Bierwissen zum Besten geben und unsere Kreationen einem breiten Publikum vorstellen. In der realen Welt bescherte uns, wie jedes Jahr, der Regio-Brauereitag einen wunderbaren Tag im Zeichen des Biergenusses. Das ausserordentlichste an unserem Auftritt dort, war unser White IPA Sorbet im Angebot. Nicht wenige waren verblüfft, dass man aus Bier auch ein Glacé machen kann und noch wichtiger: Dass es sogar geschmeckt hat. Zugegeben, wer unser White IPA kennt, weiss auch über die typische Bitterkeit dieses Bieres Bescheid. Diese Komponente war natürlich geschmacklich sehr präsent, machte es aber für erfahrene IPA-Trinker:innen noch erfrischender als es schon war. Im November fand der letzte erwähnenswerte Anlass statt. Die "Bier Basel" wurde kalendarisch vom Mai in den November und von der offenen Markthalle ins dortige "Wohnzimmer" verschoben. Da die 3G-Regel zum Zug gekommen ist, konnte ohne Maske fast in normalen Verhältnissen regionales Bier degustiert werden. Das schätzten wir sehr und wir konnten dort bestens unsere Biere und Destillate vorstellen. Wir hoffen sehr, dass es dieses Jahr mehr solche Momente gibt, in denen die Bierkultur zelebriert werden kann.


Der Übergang vom Frühling in den Herbst erfolgte im Jahr 2021 scheinbar nahtlos. So die wage Erinnerung an die Zeit, in der normalerweise der Sommer zum Vorschein gekommen wäre. Dafür konnten wir über diese sechs Monate Herbst immer wieder wunderschöne Herbsttage geniessen. Am besten funktionierte dies bei der Bollwerk Buvette und beim Fähribödeli mit feinstem Landskroner Bier. An diesen zwei Oasen mitten in der Stadt konnten wir uns weiter etablieren und viele Leute mit unserem Bier beglücken.


Wir wünschen uns sehr, dass wir auf diesen Errungenschaften weiter aufbauen können, um unsere Brauerei noch besser, noch innovativer und noch bekannter zu machen. Wir bedanken uns an dieser Stelle für den ganzen Support unserer Liebsten und für die Treue und Loyalität unserer Kundschaft und Partnern. Wir freuen uns auf viele anregende Gespräche und Projekte. Unseren Blick richten wir nun wieder nach vorne, um weiter Vollgas zu geben und richtig gute Biere zu brauen.


Bis bald im Milchhüsli!


Dein Landskroner Bräu Team

Dominik, Raphael, Thomas und Luca


























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